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Grundkurs für den Nachwuchs beim Drucksacheneinkauf Teil 8.

Druckveredelung durch lackieren, kalandrieren, kaschieren!

Wer Drucksachen besonders gegen äußere Einflüsse schützen will oder seine Werbemittel mit speziellen Effekten ausstatten möchte, wählt vielfach eine der Druckveredelungen durch einen Lackauftrag. Es gibt verschiedene Möglichkeiten Druckerzeugnisse mit einem Schutz oder Glanz zu versehen, von denen wir hier einige erklären wollen. Die optischen Unterschiede kann man natürlich nicht präzise beschreiben und es empfiehlt sich als Druckereikunde, dass man sich von allen Lacksorten und Veredelungsformen Muster anfordert, um die optischen und haptischen Unterschiede auf Originalmaterial zu erkennen.

Lack aus dem Druckwerk oder Lackierwerk?

Grundsätzlich ist beim Lackauftrag ein Unterschied zwischen einer Lackierung in einem Druckwerk und in einem Lackierwerk zu nennen, denn der Lackauftrag beispielsweise mit einem UV-Lack ist in einem speziellen Lackierwerk wesentlich höher, als das im Druckwerk der Fall ist. Das bedeutet zwangsläufig auch einen höheren Schutz und ein höherer Glanzgrad. Fast alle Lacke sind als glänzender Lack oder als Mattlack verfügbar.

Speziallacke

Neben den Lacksorten, die man zum Schutz und/oder für den Glanz eines Druckobjektes verwendet, gibt es noch diverse Speziallacke, die einen besonderen Effekt erzeugen. Es gibt beispielsweise Duftlacke, also Lacke, die mit mikroverkapselten Duftstoffen versetzt sind. Wenn man an der Lackoberfläche reibt, werden die Mikrokapseln zerstört und der Duftstoff wird freigesetzt. Solche Duftstoffe kann man in fast allen Duftvarianten herstellen lassen. Außerdem gibt es Antirutschlacke, die man beispielsweise unter Thekenauflagen oder Mousepads drucken kann, um diese Werbemittel rutschfester zu machen und zum Beispiel Strukturlacke, die im Siebdruck mit UV-Trocknung verarbeitet werden. Dieser Siebdruck UV-Lack verläuft nicht zu einer glatten, glänzenden Fläche, sondern härtet in einem diffusen Zustand aus, der einer Oberfläche eine Struktur gibt. Solche Strukturlacke sind in verschiedenen Oberflächenergebnissen zu bekommen. Eine der absoluten Besonderheiten ist der Blindenschriftlack. Dieser Lack ist so angerieben, dass man mit dem Lack und entsprechenden Siebdruckschablonen Braille-Schrift und andere ertastbare Symbole drucken kann. Die Anwendung im Bogensiebdruck ist sehr selten, aber im Rotationssiebdruck für Etiketten auf Rolle ist der Blindenschriftlack durch eine EU Norm (EN 272) für viele Etiketten in der chemischen Industrie mit einem ertastbaren Warndreieck im Einsatz und die Pharmaindustrie druckt damit wirklich lesbare (ertastbare) Braille Schrift auf die Etiketten.

Dispersionslack | Drucklack

Der Dispersionslack ist ein wasserbasierender Lack, der üblicherweise über ein Lackierwerk aufgetragen wird, aber auch als Drucklack zur Verfügung steht, wo er über ein Offsetdruckwerk aufgetragen wird. Die Trocknung erfolgt bei dünnem Lackauftrag über ein Druckwerk möglicherweise im Einzelfall nur oxydativ in der Bogenauslage. Normalerweise setzt man allerdings, insbesondere beim Lackauftrag über ein Lackierwerk, einen IR- bzw. Heißlufttrockner ein.

Primer

Als Primer bezeichnet man eine Grundierung auf Dispersionsbasis, die für eine bessere Farbverankerung sorgen soll. Dadurch kann man im konventionellen Offsetdruck nahezu puderlos drucken, was u.a. den Glanzgrad eines nachträglichen Lackauftrags verbessert. Früher wurden Primer auch als “Vorbehandlung” von Kunststoffen im Bogenoffsetdruck eingesetzt, von Druckereien, die sich ohne UV-Trocknung bereits mit dem Druck auf Kunststoff befassten. Dieser Primer konnte auch die Farbannahme und Farbhaftung durch eine nachlassende Oberflächenspannung auf apolaren Kunststoffoberflächen verbessern.

Nitrolack

Nitrolack, auch Nitrozelluloselack bzw. Nitrocelluloselack (NC-Lack, CN-Lack), wird heute in der Druckbranche nur noch sehr selten eingesetzt. Vor der Entwicklung der UV Trocknung für den Bogenoffsetdruck gab es außer Dispersionslack nur die Alternative Nitrolack, wenn man einen höheren Glanzgrad und einen Schutz haben wollte. Früher wurden beispielsweise vielfach die Dosenbanderolen für Konserven und Etiketten für Gläser mit einem Nitrolack versehen. Der Nitrolack wurde grundsätzlich in einem externen, gesonderten Arbeitsgang aufgetragen und verteuerte das Druckprodukt entsprechend.

Kalanderlack

Die Lackierung-Kalandrierung ist ein sehr aufwändiges Lackierverfahren, welches fast ausgestorben ist. Es handelt sich dabei um eine Lackierung in einer Lackiermaschine außerhalb der Druckmaschine. Ein Dispersionslack wird aufgetragen und zwischen zwei erhitzten, polierten Kalanderzylindern mit hohem Druck durchgeführt. Der Lackauftrag wird dabei geschmolzen und durch den Druck und die Hitze entwickelt sich eine spiegelglatte Lackoberfläche, die sonst mit keinem Lack erzielt wird. Lackieren-Kalandrieren wird oder wurde für hochwertige Verpackungen, beispielsweise in der Kosmetikindustrie oder für Pralinen eingesetzt.

UV-Lack

Nach der Entwicklung der UV-Trocknung für den Bogenoffsetdruck und nachdem sich der UV Druck in der Druckindustrie etabliert hatte, wurde der UV Lack als hochglänzender Lack für viele Druckprodukte eingesetzt. Auch heute ist die UV-Lackierung, die inline in der Offsetmaschine aufgetragen und getrocknet wird, ein idealer Lackauftrag für diverse Einsatzgebiete. Es gibt aber im Faltschachtelbereich und bei Lebensmittelverpackungen durchaus Einsatzgebiete, für die sich eine UV Lackierung bedingt oder gar nicht eignet.

Geglätteter UV-Lack | Pseudo-Kalandrierung

Auf Druckmaschinen für Rollenetiketten kann man mit einer Abrollung und Aufrollung an der passenden Position in der Maschine eine Art Kalandrierung produzieren. Das passiert zwar nicht, wie bei einem Kalander, mit erhitzten, polierten Zylindern, sondern mit einer Kaschierfolie. Man verwendet einen UV-Lack aus dem Flexodruckwerk gedruckt und kaschiert diesen UV-Lack mit einer transparenten Kaschierfolie. Sofort nach der UV-Trocknung zieht man die Kaschierfolie wieder vom Lackauftrag ab und der Lack wurde durch die Folie geglättet. Ein so glatter, glänzender Lackauftrag ist auf andere Weise auf einer Druckmaschine für den Druck von Etiketten auf Rollen nicht erreichbar.

Spotlack

Die Spotlackierung kann nur durch einen figürliche Lackauftrag mit UV-Lack erfolgen oder aber durch eine Kombination von mattem Dispersionslack oder mattem UV-Lack und einem figürlich aufgetragenen UV-Glanzlack. Der figürliche Lackauftrag (Spotlack) kann beispielsweise nur über Texten erfolgen oder natürlich auch auf Teilen der Bildmotive. Den besten Spotlack erreicht man mit einer Siebdruck UV-Lackierung.

Effektlack

Um besondere Effekte durch einen Lackauftrag zu erzeugen, gibt es Effektlacke, die keine glatte, glänzende Oberfläche ergeben, sondern eine unruhige, narbige Struktur aufweisen, die manchmal an gefrorenes Eis erinnert. Besonders effektvoll ist dieser Lack auf einer glänzenden Silberfläche, zum Beispiel auf einem silberbedampften Karton oder einer flächigen Silberfolienprägung.

Perlmuttlack

Einen Effekt, der an Perlmutt erinnert, bekommt man mit einem speziellen Glanzpigment, das man in einen Dispersionslack einmischt. Die Pigmente werden unter dem Markennamen Iriodin angeboten. Die beste Wirkung mit diesem Lack erzielt man wegen der möglichen Pigmentgröße im Siebdruck.

 

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