Druck, Prägung, Folienheißprägung, Folienkaltprägung…

Grundkurs für den Nachwuchs beim Drucksacheneinkauf Teil 9.

Wann kann Folienkaltprägung die Heißprägung ersetzen?

Die Folienheißprägung ist eine Veredelungsvariant von Druckerzeugnissen, mit der man in den meisten Fällen eine glänzende Goldfolie oder Silberfolie auf einen Karton überträgt. Genauer gesagt, wird keine Folie auf einen Bedruckstoff gebracht, sondern nur eine silberne Aluminiumbedampfung, die wenn sie eine goldene Färbung aufweist, diese durch eine Gelblasur bekommen hat. Folienheißprägung wurde oder wird für besonders aufwändige Briefbogen, Briefumschläge und Visitenkarten verwendet, beispielsweise aus edlem Büttenpapier. Man setzt vielfach die Folienheißprägung für Etiketten, Faltschachteln und andere Verpackungen  für Produkte aus der Kosmetikbranche ein, aber auch für andere Branchen, die eine Verpackung mit einem besonders hochwertigen Eindruck einsetzen wollen. Folienheißprägung vermittelt meistens den Eindruck eines Premiumprodukts und einer ganz besonderen Klasse. Die Folienheißprägung wird oft bei Produkten eingesetzt, die früher eine Bronzierung hatten, wie beispielsweise Pralinenschachteln, Spirituosenetiketten oder Weinetiketten. Bei einer Bronzierung wird ein glänzender, goldfarbener Staub auf einen gedruckten Haftgrund aufgebracht und die übrigen Pigmentreste werden dann wieder entfernt.

Das Prinzip von Folienheißprägung und Folienkaltprägung!

Bei der Folienheißprägefolie wird von den Herstellern ein Trennlack auf eine dünne Polyesterfolie aufgetragen, auf die eine Aluminiumbedampfung aufgebracht wird. Die Basisfolie bei einer Prägefolie ist silbern. Bei Folienheißprägefolie gold wird der Goldton durch eine gedruckte Gelblasur erzeugt und bei Prägefolie in anderen Farbtönen durch eine entsprechende Farbschicht. Nach der Trennschicht und der Farb- oder Aluminiumschicht folgt ein thermoplastischer Heißklebelack, der für die Haftung auf dem Druckträger verantwortlich ist. Heißprägefolie wird im Bogenbereich in Heißprägetiegeln, Heißpägezylindern oder Stanzautomaten mit Heißprägestation auf die Druckbogen übertragen. Für den Markt der Etiketten auf Rollen gibt es für alle Druckverfahren Heißprägestationen, die in der Regel an beliebiger Stelle in die Druckmaschinen integriert werden können. Für die Bogenverarbeitung werden Prägeklischees aus Metall eingesetzt und für die Rollenverarbeitung sind es Prägezylinder. Die Klischees und Zylinder werden auf etwa 120 – 150 Grad C erhitzt und die Heißprägefolienschichten werden von der transparenten Polyesterfolie aus mit Druck und Hitze auf den Druckträger übertragen. Der Heißklebelack wird durch die Hitze aktiviert und der Trennlack verflüssigt sich. Dadurch kann man die Polyesterfolie von den Prägeschichten ablösen und die Farbschichten der Heißprägefolie werden durch die grafischen Elemente oder Texte auf den Klischees und Zylindern randscharf übertragen. Bei der Folienkaltprägung ist der Aufbau ähnlich: Polyesterfolie als Trägerfolie, Trennlack und Aluminiumbedampfung oder Farbschicht. Der Heißklebelack fehlt bei dieser Kombination, weil ein UV-Klebelack über ein Druckwerk (Flexodruck, Buchdruck, Offsetdruck) auf den Druckträger mit den grafischen Elementen oder Schriften beschichtet wird, die später als Folienprägung erscheinen sollen. Der Druck des UV Klebelacks erfolgt kurz bevor die Kaltprägefolie auf den Druckträger kaschiert wird. Die Kaltprägefolie läuft zusammen mit dem Druckträger durch einen UV Trockner und nach der UV Trocknung wird die Polyesterbahn wieder abgezogen. An den Stellen, an denen durch das Druckwerk der UV Klebelack figürlich aufgetragen wurde, verbleibt die Kaltprägefolie auf dem Druckträger haften, weil der UV Klebelack durch die UV Trocknung durchgehärtet wurde. Dadurch kann man die Polyesterbahn mit den verbleibenden Anteilen der Kaltprägefolie wieder vom Druckträger abziehen. Die größte Erfahrung bei der Folienkaltprägung gibt es im Rollenetikettendruck, aber es stehen inzwischen auch derartige Aggregate im Bereich des Bogenoffsetdrucks zur Verfügung.

Kann man den Unterschied bei der Folienprägung erkennen?

Grundsätzlich ist es so, dass die Folienheißprägung durch den Druck und die Hitze glatter und glänzender ist. Wenn man es bei der Folienheißprägung mit dem Druck etwas lockerer sieht, bekommt man (meist ungewollt) sogar einen kleinen Blindprägeeffekt, obwohl haptische Effekte auch zusammen mit der Folienheißprägung gewollt sein können und man damit gleichzeitig eine Blindprägung erreicht. Der Fachmann oder die Fachfrau müssten den Unterschied zwischen Folienheißprägung und Folienkaltprägung erkennen. Die Folienkaltprägung ist nicht ganz so randscharf wie die Heißprägung und man erkennt oft (besonders durch den Fadenzähler / die Lupe) eine kleiner Bläschenbildung auf der Oberfläche. Die Glätte und der Glanz der Folienkaltprägung sind nicht mit einer Folienheißprägung gleichzusetzen, weil die Metallisierung bei der Kaltprägefolie eine geringere Stärke hat. Der Grund ist ganz einfach. Die UV-Strahlung muss die Chance haben durch die Metallisierung zu gelangen, um den Trocknungsvorgang des UV Klebelacks in Gang zu setzen. Der große Vorteil der Folienkaltprägung sind der Wegfall der hohen Werkzeugkosten, denn es muss nur eine Druckplatte für das betreffende Druckverfahren eingesetzt werden und die Verarbeitungsgeschwindigkeit. Für den Endverbraucher ist das Erscheinungsbild einer Verpackung mit Folienkaltprägung oder Folienheißprägung identisch. Die wesentlich geringeren Produktionskosten haben bei der Kaltprägung inzwischen dazu geführt, dass auch die speziellen Marken für die Discounter sich heute mit einer gold glänzenden Folie schmücken. Besonders ist das im Bereich der Etiketten auf Rollen festzustellen.

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