E Druckerzeugnisse, Druckprodukte, Drucksachen…

Das Hauptthema beim Buchstaben E in unserem Druckereilexikon sind Etiketten. Etiketten gibt es in verschiedenen Ausführungen, unterschiedlichen Druckverfahren und diversen Anwendungsmöglichkeiten.

Ertastbare Symbole

Ertastbare Symbole kann man durch eine Blindprägung erzeugen oder durch verschiedene spezielle Farben und Trocknungsverfahren in unterschiedlichen Druckverfahren. Bekannt geworden sind ertastbare Symbole vor vielen Jahren durch die Änderung der EN 272. Diese Europanorm beschreibt, dass auf Gefahrstoffverpackungen ein für Blinde ertastbares Symbol enthalten sein muss. Die Verordnung gilt gleichermaßen für Medikamente. Die erste Umsetzung dieser Norm fand durch die Verpackungsdrucker statt, die in die Stanzwerkzeuge ein Blindprägeklischee mit Braille Schrift und/oder dem ertastbaren Warndreieck eingebaut wurde. Damit konnte die Norm auf Faltschachteln relativ einfach umgesetzt werden. Für Dosenetiketten und Flaschenetiketten war das nicht so leicht. Für diese Einsätze kam ein Patent zum Einsatz, dass einige Jahre zuvor vom Inhaber dieser Seite angemeldet worden war. Es handelte sich um die Erzeugung von durch Blinde ertastbare Symbole durch den Einsatz von Siebdruck. Es wurde eine Dickschichtschablone eingesetzt und ein modifizierte UV-Lack, der für die mindeststärke von 150my, die das Symbol haben sollte, die notwendige Höhe brachte. Dieses Verfahren konnte in Kombination mit dem Druck von beispielsweise erhabenen Konturen von Figuren und Braille-Schrift im Bogensiebdruck und Rollensiebdruck für den Einsatz auf Rollenetiketten eingesetzt werden. Das Warndreieck nach der EN 272 wurde in vielen Millionen Stück als Lageretikett von der Rolle an eine Vielzahl von Abnehmern verkauft bis das Patent vor einigen Jahren ausgelaufen ist. Dieses Zusatzetikett wurde vielfach für Dosen oder Flaschen verwendet.

Ertastbare Symbole für Werbemittel werden vielfach mit einer Farbe im Siebdruck erzeugt, die man auch im Tapetendruck kennt. Es handelt sich um eine sogenannte Aufschäumfarbe. Der ziemlich dicke Farbauftrag beginnt bei einer relativ hohen Temperatur im Trockenkanal einer Siebdruckmaschine damit aufzuschäumen und damit eine Erhabenheit von ca. 1-3 mm erreicht. Dieses Druckverfahren eignet sich für besondere Effekte auf Mailings und anderen Werbemitteln.

Etiketten

Nassleimetiketten

Als Nassleimetiketten werden Flaschenetiketten für Getränke, wie Mineralwasser oder Bier, Glasetiketten für Konserven oder auch Dosenetiketten, auch Dosenbanderolen genannt, bezeichnet. Es handelt sich üblicherweise um ein einseitig gestrichenes Papier zwischen 70 und 90g pro qm, das unter der Bezeichnung Chromopapier geführt wird. Die gussgestrichene Version dieses Papiers kennt man meist nur unter dem Markennamen Chromolux von Zanders. Diese Papiere gibt es u.a. in nassfesten Ausführungen, damit beim Waschen der Pfandflaschen die Waschanlagen nicht von den aufgelösten Etiketten verstopft werden. Nassleimetiketten gibt es in geschnittener Version, die über einen Planschneider verarbeitet werden oder auch figürlich gestanzte Nassleimetiketten, die man normalerweise über Verarbeitungsmaschinen herstellt, die eine stufenlose Stanzung ermöglichen.

Gummierte Etiketten

Etiketten mit einer rückseitigen Gummierung, die mit Wasser klebend gemacht werden, gibt es neben den guten alten Briefmarken, nur in ganz wenigen Anwendungen. Solche gummierten Etiketten werden üblicherweise im Offsetdruck hergestellt, geschnitten oder figürlich gestanzt. Für eine Produktion als gelochte Bogen (Lochperforation) oder Rollen, wie bei Briefmarken, braucht man sehr teure Werkzeuge, die in einer normalen Druckerei nicht anzutreffen sind.

Haftetiketten

Als Haftetiketten bezeichnet man alle Etiketten, die eine selbstklebende Rückseite haben. Das können Etiketten sein, die auf Bogenmaschinen im Offsetdruck oder Digitaldruck hergestellt werden oder auch Etiketten, die im Flexodruck, Buchdruck, Digitaldruck, Siebdruck oder Offsetdruck auf Rollenetikettenmaschinen produziert werden.

Haftetiketten vom Bogen

Der Bogendruck, meistens Offsetdruck, kennt Haftetiketten als Einzelstücke oder als angestanzte Etiketten zu mehreren Nutzen auf Bogen. Bei einzelnen Haftetiketten kann zur besseren Handhabung vorn eine Abziehlasche angestanzt werden oder die Trägerbahn der Etiketten wird rückseitig geschlitzt, damit das Abnehmen von der Trägerbahn erleichtert wird.

Haftetiketten von der Rolle

Rollen-Haftetiketten sind ein sehr großer Markt, denn alle Industriekunden spenden die Etiketten mit Etikettenspendern auf ihre Produkte. Die maschinelle Etikettierung war der Durchbruch der Rollenetiketten in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts, der bis heute seinen Siegeszug noch nicht beendet hat. Zunächst kannte man nur Maschinen im relativ einfachen Flexodruck, die Rollenetiketten produzierten. Danach gab es Siebdruckmaschinen für den Rollenetikettendruck, später den Buchdruck und erst in den 80er Jahren die ersten funktionierenden Rollenetikettenmaschinen im Offsetdruck. Für den Flexodruck gab es die Alternative zwischen wasserbasierenden Farbsystemen und einer Heißlufttrocknung oder später UV-trocknende Farbsysteme, die nur durch die Bestrahlung mit UV-Licht trocken werden. Die UV-Farben enthalten Photoinitiatoren, die eine Polymerisation auf der Farboberfläche auslösen und damit die Farbe verarbeitungsfähig machen. Für den Siebdruck und den Offsetdruck in Rollenetikettenmaschinen war die UV-Trocknung obligatorisch. Als Besonderheit hat der Offsetdruck, wie im Bogenoffset auch, Maschinen, die für Nassoffset konzipiert wurden und Druckmaschinen, die mit dem wasserlosen Offsetdruck arbeiten. Rollenetikettenmaschinen gibt es inzwischen als Digitaldruckmaschinen und als Kombinationsmaschinen zwischen allen verfügbaren Druckverfahren. Die Verarbeitung mit Lack, Laminat, Folienprägungen, Stanzungen usw. ist grundsätzlich inline und es gibt Zusatzmaschinen für einen automatischen Rollenwechsel vorn und eine Endkonfektionierung auf eine bestimmte Rollenbreite und Stückzahl am Ende der Druckmaschine.

Die Materialvielfalt ist im Rollenetikettenmarkt verblüffend. Die Kombinationen von verschiedenen Obermaterialien mit einer Vielzahl von verschiedenen Klebern und Silikonpapierabdeckungen erlaubt es für jede Anwendung ein passendes Etikett zu finden. Im Bereich der Bedruckstoffe geht das Materialangebot von einem einfachen Schreibpapier, über ein gestrichenes Papier, gussgestrichene Sorten, bis hin zu Thermopapier in verschiedenen Qualitäten. Auch das Angebot an Kunststofffolien ist umfangreich. PE, PP, PET und PVC gibt es transparenter und opak weißer Ausführung und in verschiedenen Materialstärken und Verarbeitungsformen. Dazu kommen die Sandwichetiketten, die aus zwei oder drei Lagen bestehen können und einen großen Einsatzbereich im Direktmailing finden und bei Gewinnspielen.

Haftetiketten auf Rollen als Sonderprodukte

Die Rollenetikettenfertigung kennt viele Spezialitäten. Es gibt mehrlagige Rollenetiketten, Rollenetiketten mit aufgespendeten Booklets und Rollenetiketten mit verschiedenen Besonderheiten, wie beispielsweise aufgespendeten Beuteln, Taschen für Parkscheine, Fingerfarben, Gutscheinen usw. Booklets auf Rollenetiketten waren viele Jahre durch Patente geschützt und einige Fertigungsvarianten haben auch heute noch einen gewerblichen Schutz.

Inmould Etiketten

Inmould Etiketten sind eine Besonderheit im Etikettenmarkt. Es handelt sich dabei um Etiketten, die aus dem gleichen Material hergestellt werden, wie das zu etikettierende Behältnis; beispielsweise aus HDPE, PE, PS, PP oder PVC. Inmould oder Inmold Etiketten sind meist ein einer Materialstärke von 40 bis 75 my und werden bei der Herstellung der Behälter, zum Beispiel im Spritzgussverfahren oder in einer Blastechnik für Flaschen und Kanister bei hoher Temperatur zugeführt. Dadurch verbinden sich die Etiketten ohne Kleber mit dem Material des Behältnisses. Inmould Etiketten werden für Becher, Eimer, Flaschen und Kanister eingesetzt und sind auch lebensmittelrechtlich kein Problem.

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